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5. Grundsätzliche Überlegungen und Hinweise zu einem Unternehmensangebot

Ein Unternehmensangebot soll sowohl eine Kaufpreisforderung beinhalten als auch andere wesentliche Aspekte und Rahmenbedingungen der Transaktion. In diesem Zusammenhang sind insbesondere zu erwähnen: der Übergabezeitpunkt, die Rolle des Verkäufers nach einem Verkauf (Stichwort: begleitende Übergabe, Dauer und Entlohnung), eine Angabe zu Übergabe mit oder ohne Schulden und Lasten sowie einen - oft verschwiegenen - Hinweis zu den Möglichkeiten der rechtlichen Dealgestaltung. Hierbei ist grundsätzlich zu unterscheiden zwischen einem Asset Deal (Übertragung von Vermögensgegenständen einer Gesellschaft) und einem Share Deal (Übertragung der Gesellschaftsanteile). Bei einer Personengesellschaft ist es steuerlich immer ein Asset Deal (rechtlich sind beide Formen möglich), bei einer Kapitalgesellschaft (z.B. einer GmbH) gibt es steuerlich und rechtlich ein sowohl als auch. Ebenso Mischformen sind denkbar.

Sofern nicht explizit erwähnt, unterstellt ein veräußerungswilliger Gesellschafter einer GmbH in der Regel einen Share Deal. Ein Käufer wird hingegen häufig einen steuerlichen Asset Deal anstreben und entsprechend argumentieren. Der Grund ist naheliegend, ist ein Asset Deal für Letzteren doch steuerlich sehr viel attraktiver. Von Ausnahmen abgesehen beträgt der Steuervorteil etwa 30 % des Kaufpreises, da Geschäftsanteile einer Kapitalgesellschaft nicht abgeschrieben werden können, gekaufte Vermögensgegenstände einer Gesellschaft hingegen schon. So ist es nicht verwunderlich, wenn Käufer in den Verhandlungen einen 20-30 %igen Unterschied zwischen dem Kaufpreis für einen Share Deal und dem für einen Asset Deal vorrechnen, um diesen Nachteil auszugleichen.

Bei einem Share Deal bleiben die Kapitalgesellschaft und ihre Vertragsbeziehungen rechtlich unverändert bestehen, es wechselt lediglich der Eigentümer der Gesellschaft. Bei einem Asset Deal wechseln die Vermögensgegenstände inklusive der Kunden-, Lieferanten- und Mitarbeiterbeziehungen in eine andere Gesellschaft. Diese muss sich daher neue Bestätigungen für übernommene Verträge einholen, da der Vertragspartner nun ein anderer ist. Kunden und Lieferanten haben dabei ein Sonderkündigungsrecht, Mitarbeiter ein Widerspruchsrecht. Daraus können sich Risiken für den Käufer ergeben, die er mit den steuerlichen Vorteilen abwägen wird.

Ein oft vorzufindender Ausweg kann darin bestehen, die Kapitalgesellschaft vor Verkauf in eine GmbH & Co. KG umzuwandeln und deren Gesellschaftsanteile zu kaufen. Rechtlich gilt das als Share Deal, steuerlich als Asset Deal. Nachteil für den Verkäufer ist der Anfall von Gewerbesteuer auf den Umwandlungsgewinn. Da die Höhe dieser Steuer aber meist deutlich geringer als die Steuerersparnis des Käufers aus der nun möglichen Abschreibung des Kaufpreises ist, wird der Kaufpreis hier oft um die Gewerbsteuer erhöht.

Die Problematik kann hier nur kurz angerissen werden und eine Beurteilung der Probleme kann nur nach gründlicher Analyse in einer Einzelfallbetrachtung stattfinden. Es bleibt festzuhalten, dass im Normalfall ein Share Deal für einen veräußernden GmbH-Gesellschafter vorteilhafter ist.

Noch ein Wort zu den immer angepriesenen Potentialen, die gerne als Argument für überzogene Kaufpreisforderungen herangezogen werden. Beispiel Patente: Patente können nur in dem Umfang werttreibend sein, wie sie zum Unternehmensergebnis beitragen bzw. beigetragen haben. Der Wert eben dieser Patente muss sich unmittelbar in den Gewinn- und Verlustrechnungen widerspiegeln. Ist das nicht der Fall, sind diese für einen Erwerber nicht kaufpreisrelevant, weil das Unternehmen es in der Vergangenheit nicht geschafft hat, den vielleicht unbestreitbaren Wert dieser Patente in klingende Münze umzuwandeln. Wenn dazu erst die Fähigkeiten eines Erwerbers notwendig sind, dürfen die Patente keine Berücksichtigung im Kaufpreis finden. Dies widerspräche ansonsten der Logik von Leistung und Gegenleistung.

Anders verhält es sich mit neu entwickelten Patenten, für die es zu den zukünftigen Wertschöpfungsmöglichkeiten noch keine belastbaren Erfahrungen gibt. Es wird sich kein Käufer finden, der einen Kaufpreis aufgrund von Businessplänen zahlt, die in dessen Augen utopische künftige Gewinne, basierend auf den neuen Patenten, ausweisen. Zum Ziel gelangt man in dieser Frage meist nur, wenn bei der Kaufpreisforderung auf den Ist-Zustand abgestellt wird und hinsichtlich möglicher künftiger Extragewinne mit einem Besserungsschein gearbeitet wird. Damit sind die Vorarbeiten für einen Unternehmensverkauf abgeschlossen und die Vermarktung kann beginnen.

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