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Bemessung eines drittvergleichsfähigen Unternehmerlohnes

Für jede Unternehmensbewertung ist im Aufwand ein drittvergleichsfähiger Unternehmerlohn anzusetzen, unabhängig davon, wie viel sich der Unternehmer tatsächlich selbst „gönnt“, bzw. ob die Vergütung steuerlich als Aufwand gilt.

Aber: Wie hoch ist er anzusetzen, welche Maßstäbe gelten dafür?

Bei der Bemessung des kalkulatorischen Unternehmerlohnes sind alle Leistungen in einer Summe zusammengefasst.

„In Einzelunternehmungen und Personengesellschaften ist zu berücksichtigen, dass der Gesellschafter sich selbst kein Gehalt zahlt. Er bedient sich aus dem erwirtschafteten Gewinn. Um Personen- und Kapitalgesellschaften in ihrer Aufwands- und Ertragsstruktur vergleichbar zu machen, setzt man einen kalkulatorischen Unternehmerlohn an. Die Höhe ist abhängig von Kriterien wie Unternehmensgröße, Branche, Ertragslage, Kapitalbeteiligung sowie Lebens- und Dienstalter. Der kalkulatorische Unternehmerlohn soll dem Gehalt entsprechen, welches der Unternehmer (als Angestellter ohne Geschäftsanteile) für seine Arbeitsleistung in einem vergleichbaren Unternehmen erhalten würde. Es ist geübte Praxis, einen angemessenen Zuschlag auf das vergleichbare Gehalt eines Angestellten hinzuzurechnen (z.B. in Höhe von 20 bis 30% vgl. Bruns, 1998). Dies entspricht der höheren Verantwortung und Arbeitsintensität eines geschäftsführenden Gesellschafters. Darüber hinaus sind Vergütungsstudien eine geeignete Quelle. Die steuerliche Akzeptanz ist hierbei nicht vorrangig, da auch ein zu geringes Geschäftsführergehalt steuerrechtlich keine „verdeckte Einlage“ darstellen würde. Die Bereinigung des Erfolges einer Personengesellschaft um den kalkulatorischen Unternehmerlohn führt zu einer Minderung des nachhaltigen Ertrages.“[1]

Eine Vergleichbarkeit der Tätigkeiten ist aus dem jeweiligen aktuellen Tarifvertrag, der fachlich und regional geeignet ist, zu entnehmen.

Unterstützend kann z. B. die aktuelle Studie des Handelsblatts mit dem GmbH-Vergütungs­spezialisten BBE Media zur Ermittlung von durchschnittlichen Geschäfts­führungsgehältern hinzugezogen werden (Das verdienen die GmbH-Chefs).

Geeignet erscheinen auch die Veröffentlichungen der Internetplattform Gehalt.de (So viel verdienen Geschäftsführer).

Bei der Bemessung des kalkulatorischen Unternehmerlohnes ist auch eine Ausgewogenheit der wirtschaftlichen Interessen der Gesellschafter, der Geschäftsführer und der Gesellschaft zu beachten. Dies findet sich wieder in den Begriffen „Kapitalverzinsung und Halbteilungs­grundsatz“.

„Ein ordentlicher und gewissenhafter Geschäftsführer würde bei der Festlegung der Gesamtbezüge sicherstellen, dass der Gesellschaft auch nach Abzug einer Vergütung noch ein angemessener Gewinn verbleibt („Mindestverzinsung“, BFH 28.6.89, BStBl II, 854).

Praxishinweis: Die angemessene Verzinsung ist aus dem gesamten von der Gesellschaft eingesetzten Kapital (Teilwerte der bilanzierten Wirtschaftsgüter ohne selbstgeschaffene immaterielle Wirtschaftsgüter, insbesondere ohne Firmenwert) zu ermitteln. Für die Höhe der angemessenen Verzinsung kann von einem Zinssatz von ca. 6 bis 10 v.H. ausgegangen werden.

Bei sehr ertragsstarken GmbHs könnte man nun auf die Idee kommen, alle über die Mindestverzinsung hinausgehenden Beträge in vollem Umfang als Geschäftsführergehälter auszukehren. Das ist jedoch nicht zulässig. Vielmehr muss die jeweilige Gehaltsobergrenze nach den Umständen des Einzelfalles bestimmt werden. Orientierungshilfen bieten die jeweiligen Höchstwerte der nachfolgenden Tabelle .


Im Einzelfall ist es denkbar, dass auch diese Werte überschritten werden, beispielsweise bei einer Freiberufler-GmbH mit entsprechend hohen Gewinnen. Dann muss jedoch der so genannte Halbteilungs­grundsatz beachtet werden. Danach muss der Gesellschaft im Regelfall noch ein Jahresüberschuss vor Ertragsteuern verbleiben, der mindestens genauso so hoch ist wie die Geschäftsführervergütungen (vgl. BFH 27.4.00, BFH/NV 01,342). Der Halbteilungs­grundsatz ist im Übrigen auch zu beachten, wenn die GmbH mehrere Geschäftsführer hat. In diesem Fall ist auf die Summe der Vergütungen abzustellen.“[2]

Im folgenden Beispiel soll eine Verteilung der Vorsteuererträge die vorgenannten Ausführungen verdeutlichen.

EBT (vor Geschäftsführervergütung) der Beispiel GmbH: T€ 314
Zwei Geschäftsführer (Unternehmerlohn gesamt 2 x T€ 82,
Wert etwas höher als exakt 50%)    
T€ 164 = 52 %
10 % Kapitalverzinsung (Eigenkapital T€ 500 x 10 %)  T€   50 = 16 %
Gesellschaft (betriebsnotwendige Liquidität thesauriert) T€ 100 = 32 %

Wertung:
  • Die Geschäftsführerlöhne liegen unter den Höchstwerten.
  • Die Geschäftsführerlöhne übersteigen (im Wesentlichen) nicht die Hälfte des Vorsteuergewinns = Halbteilungsgrundsatz ist eingehalten.
  • Der der GmbH verbleibende Vorsteuergewinn sichert die Mindestverzinsung des eingesetzten Kapitals.
 
Ronald Franke

con|cess M+A-Partner Hamburg, Geschäftsführer der Contec M+A Business GmbH
Zertifizierter Bewertungsprofessional für Unternehmensbewertungen des EACVA


[1] Corporate Finance Training 2007 S. 173
 Gestaltende Steuerberatung - Ausgabe 09/2002, Seite 341,
zitiert in Checkliste „Angemessenheitsprüfung Gesellschafter-Geschäftsführer-Gehälter“

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