Transaktionsprozess step by step – Teil 6: Kaufvertrag und wie KI beim Closing hilft

Sind sich Verkäufer und (potenzielle) Käufer auch beim Kaufpreis einig, steht einer erfolgreichen Transaktion nichts mehr im Wege. Oder doch? Viele Nachfolgesucher glauben sich am Ziel, wenn der Käufer zu den Zahlen den Daumen hebt, aber der Kaufpreis ist nur einer von sehr vielen zu verhandelnden und im Kaufvertrag zu fixierenden Punkten. Oft genug scheitert eine Transaktion auch zu diesem Zeitpunkt noch, weil die Parteien sich bei Themen wie Garantien, Zusicherungen oder eventuellen Bürgschaften nicht einigen können. Dabei wird es nur bei gegenseitigen Zugeständnissen zu einem Abschluss kommen. Hier braucht es auch Verständnis seitens des Verkäufers, dass jeder Käufer den Gegenwert für seinen finanziellen Einsatz verdienen können muss. Er wird „Altlasten“, die dem entgegen stehen, ausschließen wollen bzw. eine Absicherung für Risiken aus der Zeit vor dem Verkauf zwingend einfordern, beispielsweise für

  • Steuernachbelastungen
  • Reklamationen
  • schwebende Prozesse
  • Regressansprüche
  • Forderungsverluste

 

Die Käuferseite wiederum sollte sich darüber im Klaren sein, dass kein Verkäufer das Gefühl haben will, auch nachvertraglich „für alles“ haften oder gar eine Garantie für geplante Verträge geben zu müssen. Klassische Streitfelder sind:

  • das Ausmaß von Garantiebereichen
  • die Höhe des zu übergebenden Eigenkapitals
  • ggf. die Höhe einer zu übergebenden Liquidität
  • die Höhe des Working Capital
  • die Frei- bzw. Bagatellgrenzen für den Eintritt eines Garantiefalles
  • die Obergrenze für alle Garantiefälle zusammen
  • die Möglichkeit einer Rückabwicklung des Vertrages (die die meisten Kaufverträge ausschließen)

 

Verkäufer wiederum drängen oft dazu, einen Kaufvertrag unter aufschiebenden Bedingungen abzuschließen. Dieser kommt erst wirksam zustande, wenn die Bedingungen erfüllt sind. Aspekte dafür gibt es auf beiden Seiten, zum Beispiel:

  • Vereinbarungen mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern
  • Kundenzustimmung wegen Eigentümerwechsel
  • Gläubigerverzichtserklärungen
  • ausstehende Finanzierungszusagen eines Kreditinstitutes

 

Den erfolgreichen Vertragsabschluss verhindert am Ende oft, dass die zu diesem Zeitpunkt hinzugezogenen Rechtsbeistände gerne versuchen, das jeweilige Maximum für ihre Seite herauszuholen. Unabdingbar ist daher, einen M&A-Experten als neutralen Moderator an Bord zu haben. Er wird mit all seiner Erfahrung von vielen erfolgreichen Transaktionen die bestmögliche Lösung für beide Seiten finden.

 

KI kann als strukturierendes Werkzeug auch beim Taskmanagement helfen: Verantwortlichkeiten können automatisiert zugewiesen, Fristen überwacht und Engpässe antizipiert werden, bevor sie zum Problem mutieren. Last but not least kann KI den gerade bei inhabergeführten Unternehmen entscheidenden Wissenstransfer strukturieren und beschleunigen – etwa durch semantische Analyse von Unterlagen, automatische Kategorisierung von Wissensträgern oder durch Erfassung betrieblicher Abläufe. So entsteht ein nahtloser Übergang sowohl auf der operativen als auch auf der kulturellen Ebene.