Transaktionsprozess step by step – Teil 8: Die große Leere?
Der Transaktionsprozess ist erfolgreich abgeschlossen: Das Unternehmen ist verkauft, die Post Merger-Phase ist beendet, die von vornherein zeitlich befristete Phase des Überganges und der Unterstützung durch den bisherigen Inhaber ist vorbei, also Ende gut, alles gut? Nicht unbedingt, wie erfahrene M&A-Berater wissen. Denn für einen Teil der Unternehmensverkäufer beginnt gerade jetzt die schwierigste Zeit der gesamten Transaktion, wahrscheinlich sogar ihres gesamten Arbeitslebens: die Zeit danach, das Leben ohne Unternehmen, ohne tägliche Herausforderungen, ohne Meetings, ohne Entscheidungsgewalt, ohne die Verantwortung für Geschäft und Mitarbeiter, ohne einen vollgepackten 12-, 14-, 16-Stunden-Arbeitstag, die große Leere. Dies empfinden vor allem Menschen, die ihr Lebenswerk mit Mitte 50 abgeben, ohne sich Gedanken über die Gestaltung der Zeit danach zu machen.
Viele M&A-Experten raten daher, dass dieser letzte Schritt im Transaktionsprozess nicht der letzte sein sollte, sondern einer der ersten. Norbert Richter, con|cess M+A-Partner aus Berlin, sagt sogar: „Konkrete Pläne für die Zeit danach sind erfolgsentscheidend für den Verkauf!“ Demnach erfragen gute Berater schon im Erstgespräch die Ideen dafür. Das hat nach Richters Erfahrung zur Folge, „dass der Betroffene einen Schritt zurücktritt und das Unternehmen mal ohne sich selbst sieht, quasi vom Geschäftsführer zum Unternehmer wird. Dabei kommen ihm schnell auch strategische Ideen, die für den Verkaufserfolg wichtig sind: den Aufbau eines potenziellen internen Nachfolgers oder zumindest einer zweiten Führungsebene bzw. eine mögliche neue Rolle des Verkäufers im dann ehemals eigenen Unternehmen. So werden Pläne für die Zeit nach dem Verkauf entscheidend für den Erfolg des Nachfolgeprozesses.“
Bei den meisten derjenigen, die jahrzehntelang mit voller Energie Unternehmer waren, genügen Golfspielen und ein hübsches Ferienhaus definitiv nicht zur Gestaltung eines schönen Lebensabends. Richter rät: „Wichtig ist, die neue Situation anzunehmen und als Chance zu begreifen. Die Freiheit des so genannten ,dritten Lebensalters‘ bei gleichzeitiger finanzieller Sicherheit schafft viele Möglichkeiten, wenn man sie zu nutzen weiß. Dabei helfen Fragen nach (früheren) Hobbys, nach Träumen, nach Wünschen, nach dem, was Freude macht. Wichtig ist auch, neu zu lernen, wie man selbständig einen Tag strukturiert. Das fällt Menschen, die viele Jahre lang nur für ihr Unternehmen gelebt haben, oft schwer. Eine große Rolle spielt auch, Partner miteinzubeziehen.“
Wie schon bei allen anderen Texten dieser Reihe „Transaktionsprozess step by step“ können auch hier KI-Tools helfen. Mit Chat GPT, Gemini und anderen Sprachmodellen lässt sich nahezu jede Freizeitidee strukturieren, vertiefen und planen. Zum Beispiel helfen sie, Interessen zu erkunden und Projektideen auszuarbeiten. Sie sind Lernbegleiter für zahllose Hobbys und ermöglichen sogar Reflexion und einem Coaching ähnliche „Gespräche“. Viele Ex-Unternehmer gehen nach dem Ende des Transaktionsprozesses auf Reisen, manche heute schon unterstützt durch spezialisierte KI-Reiseplaner. Kreative KI-Modelle wiederum können helfen, künstlerische Hobbys zu entdecken oder zu vertiefen, egal ob Bild und Video, Musik oder Schreiben. Darüber hinaus kann KI helfen, im Sinne eines lebenslangen Lernens Wissen aufzubauen und strukturiert an die nächste Generation weiterzugeben. Alles, nur keine große Leere.
Ratgeber Unternehmensverkauf